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Monica Lierhaus: “Ein Wunder, dass ich noch lebe.”

14. April 2015 Cichos 1 Kommentar

Monica Lierhaus / Interview

Monica Lierhaus / Interview

Exklusiv

Monica Lierhaus Interview

· Ein Wunder, dass ich noch lebe

· Jeder Tag ist harte Arbeit – für meinen Körper, für meine Seele

· Ich war zweimal klinisch tot

· Ich will und darf nicht aufgeben

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· Interview-Foto

Daten: Geboren 25. Mai 1970, Hamburg. Erfolgreiche Sport-Moderatorin. Januar 2009 Hirn-Aneurysma-Operation. Ein Aneurysma ist eine sackartige Erweiterung eines Blutgefäßes. Ohne OP besteht Gefahr, dass Blutgefäß platzt. Folge: Blutungen im Gehirn, lebensgefährlicher Hirndruck. Monica Lierhaus lag nach dieser OP vier Monate im Koma. Danach musste sie wieder alles neu lernen: Essen, Sprechen, Laufen. Monica Liehaus lebt in Hamburg mit TV-Produzent Rolf Hellgardt zusammen.

-Januar 2014

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Interview:

Frau Lierhaus, wie geht es Ihnen?

Gut, sehr gut, obwohl die Fortschritte im wahrsten Sinne des Wortes manchmal nur Mini-Schritte sind. Aber ich will und darf nicht aufgeben. Jeder Tag ist harte Arbeit. Diese heißt, dass ich jeden Tag vier bis fünf Einheiten absolviere. Also je eine dreiviertel Stunde Physio-Therapie und Logopädie. Manchmal klappt alles sehr gut, manchmal nicht so gut.

Aber Sie haben schon sehr gute Fortschritte gemacht. Ihre Aussprache ist perfekt…

Oh, Dankeschön. Ich will mich ja auch nicht beklagen. Darüber und dass ich überhaupt noch lebe, bin ich natürlich sehr dankbar. Ohne dem tollen Ärzte- und Betreuungs-Team, meiner Familie, Freunde und Bekannte und ganz besonders meines Lebenspartners Rolf Hellgardt, wäre ich bestimmt noch nicht so weit wie jetzt.

Ihr Leben hing an einem seidenen Faden…

Ja, die Ärzte sagten damals nach der OP, dass ich wahrscheinlich die Nacht nicht überleben werde. Später habe ich erfahren, dass ich zweimal klinisch tot war. Erst nach acht Wochen stellte sich dann die erste Hoffnung ein. Und vier Monate später bin ich ja dann aus dem Koma erwacht.

Sie mussten alles wieder neu erlernen…

Ja. Essen, wieder richtig Sprechen. Sitzen, laufen – alles. Und alles klappt eben immer noch nicht so wie ich möchte. Zu manchen Übungen muss ich mich auch sehr zwingen und habe ehrlich gesagt oft genug keine Lust darauf. Nur die Reit-Therapie ist unglaublich schön. Sobald ich auf dem Rücken eines Pferdes sitze, entspannt sich alles, entspanne ich mich.

Aber belastet nicht gerade Reiten den Rücken?

Ich mache ja keinen Pferde-Rennsport. Nein, es ist so. Gerade der Rücken ist ein Teil meines Körpers, der so uneinschätzbar ist. Dann habe ich plötzlich Schmerzen, die mich dann auch wieder ärgern, weil ich sie nicht verstehe. Oft wenn ich liege. Dann weiß ich nicht, wie ich liegen soll. Dann drehe ich mich hin und her und es wird doch nicht besser.

Das sind bestimmt schlimme Momente. Auch für die Seele…

Ja. Und ehrlich gesagt, habe ich dann schon mal einen Hänger. An manchen Tagen will ich dann gar nicht aufstehen und hadere dann schon etwas mit mir und allem und überhaupt. Aber wenn mich dann mein ganzes Umfeld motiviert, meine Schwester, meine Eltern, mein Rolf. Dann reiße ich mich doch zusammen. Aufgeben gilt nicht.

Sehr tapfer…

Ach, es gibt so viele Schicksale, die ich ja ganz besonders im Krankenhaus und in der Reha-Klinik gesehen habe. Ganz besonders, wenn es kleine Kinder sind. Und was glauben Sie, wie unglaublich tapfer die sind. Respekt, Hochachtung. Da relativiert sich sofort bei mir der eigene Hänger. Da schäme ich mich dann sogar etwas über mich selbst.

Trotzdem haben Sie sich einen größeren Fortschritt erhofft?

Natürlich erhofft man sich immer mehr. Das ist ja auch gut so, denn Hoffnung motiviert ja. Ohne Hoffnung hätte ich schon längst aufgegeben. Zum Glück bin ich aber von Haus aus auch immer realistisch gewesen. Auch jetzt. Ich kann schon sehr realistisch einschätzen, was möglich ist oder nicht.

Was bereiten Ihnen die größten Schwierigkeiten?

Die Körper-Koordination, mein eigenes Kraft-Potential. Zum Beispiel wenn ich versuche vom Boden aufzustehen. Das kostet sehr viel Konzentration und Kraft. Das ist je nach Tagesform ein Kraft-Akt. Das ist dann auch harte Arbeit für die Seele. Da gilt nur noch der Satz: Ich will, ich will, ich will. Ich muss, ich muss, ich muss. Es wird, es wird, es wird.

Und dann klappt es?

Manchmal ja, manchmal nein. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich mein Bestes gegeben habe, so ist das dann auch okay. Das ist ja wie beim Sport oder in anderen Lebenslagen. Man kann nicht immer gewinnen, aber man hat sein Bestes gegeben. Überhaupt motiviert mich Sport in allen Bereichen.

Schließlich waren Sie ja mal eine Top-Sportmoderatorin..

Ob ich top war, weiß ich nicht. Aber es war und ist immer noch meine große Leidenschaft. Da möchte ich beruflich auch wieder hin. Wenn es mit der Moderation noch nicht so möglich ist, dann vielleicht mit anderen Möglichkeiten. Zum Beispiel nächstes Jahr etwas für die Fußball-Weltmeisterschaft zu tun, zu arbeiten, involviert zu sein.

Schön. Ein festes Ziel motiviert ja immer…

Ja, und ich finde, man darf sich Ziel ruhig höher stecken. Als ich damals weder sprechen, noch richtig essen, noch laufen konnte, war das Ziel alles wieder neu zu erlernen eigentlich fast utopisch. Und so gesehen habe ich wirklich schon gute Ziele erreicht. Auch wenn alles eine Zeit dauert. Ich habe ja noch viel Leben vor mir.

Entschuldigen Sie den Satz, aber Sie sind zum Glück geistig sehr fit…

Ich weiß schon was Sie meinen. Ja, die Gefahr bestand natürlich auch. Dass meine Gehirnfunktion, mein Verstand nach der OP geschädigt war. Aber da hatte ich wirklich Glück und bin auch aufrichtig dankbar dafür. Und gerade deshalb möchte ich wieder zurück in meinem Beruf.

Zum Beispiel als Fußball-Expertin…

Das war ja das Schöne damals. Hobby und Leidenschaft eins mit dem Beruf. Auch heute verpasse ich nicht ein Fußballspiel. Nach den Therapie-Stunden vor dem Fernseher sitzen – das sind dann meine Glücks-Momente. Dann fiebere ich mit oder analysiere oder moderiere innerlich.

Schön ist auch, dass Ihre Liebe gehalten hat…

Ja, auch das ist nicht selbstverständlich. Mein Mann, ich sage ja eigentlich auch immer mein Mann, obwohl wir ja nicht verheiratet sind, hat wirklich eine harte Bewährung durchmachen müssen. Immer noch. Das schafft nicht jeder. Laut Statistik kommt es nach den ersten sechs Monaten oft zu einer Trennung.

Viele fragen sich bei Schicksals-Schlägen: Warum ich? Warum ist es mir passiert?

Das könnte man sich fragen – ja. Das fragt man sich in schwachen Momenten vielleicht auch. Aber es würde keine Antwort darauf geben. Deshalb habe ich mich nicht so sehr damit befasst. Ich schaue nach vorne. Ich denke positiv. Vielleicht weil ich auch früher schon immer positiv veranlagt war. Es kann ja alles nur besser werden. Sehr viel besser…

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Christine Kaufmann: Ich bin nicht ehetauglich / Interview

21. November 2013 Cichos Keine Kommentare

Christine Kaufmann

Christine Kaufmann

CHRISTINE KAUFMANN Interview

·Es ist immer gut, sich mit Ex-Männern zu versöhnen

· Ich bin nicht ehetauglich

· Humor ist mein Schönheitsmittel

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Frau Kaufmann, Sie konnten sich immer gut mit Ihren Ex-Männern versöhnen.

Weil ich ein Versöhnungsmensch bin. Streit ist so schrecklich und dumm. Er macht griesgrämig, übellaunig und letztendlich Falten.  Außerdem schlägt Streit auf den Magen, hemmt positive Produktivität und Kreativität. Zum Glück nehme ich vieles mit Humor und lenke falsche Gedanken in positive Bahnen.

Aber mit Ihrem letzten Mann Klaus Zey gab es einen kleinen Rosenkrieg…

Es waren gegenseitige Verletzungen da, ja. Wobei wir eigentlich beide nie den Streit wollten. Aber natürlich geht eine Trennung oft mit Verletzungen und falschen Worten daher. Trotzdem muss man nicht mit gezückten Messern auseinander gehen. Schließlich ist man einen gemeinsamen Lebensweg gut und gerne zusammen gegangen.

Jetzt gibt es sogar wieder einen gemeinsamen Lebensweg?

Ja, aber auf freundschaftlicher Basis. Das ist schön für alle. Besonders für unseren Enkel-Sohn. Eigentlich hat er uns wieder verkuppelt. Er ist der Sohn meiner Tochter Allegra und somit nicht der leibliche Enkel meines Ex-Mannes. Aber mein Ex-Mann hat ihn schon als Baby und auch später immer betreut, so dass es ein starkes Band entstand.

Wie war denn die Verkuppelung?

Ach, eigentlich ganz spontan. Mein Ex und ich wohnen ja im gleichen Münchener Viertel. Da läuft man sich ja unweigerlich über den Weg. Und nachdem die Spannungsphase vorbei war, konnten wir uns wieder gut miteinander begegnen. Zumal unser Enkel wie gesagt sehr an Klaus hängt. Und natürlich hat jedes Kind der Welt Recht auf ein Happy End.

Also alles wieder gut…

Auf freundschaftlicher Ebene. Und weil Klaus ein guter Mann ist. Es gab für alle Seiten wieder eine wunderbare Annäherung. Besonders berührt hat mich wie gesagt zu sehen, welche Gefühle Klaus für unser Enkel-Kind wieder hatte. Sie lieben sich beide wirklich sehr. Rafael, so heißt mein Enkel, hat später dann einen guten Satz gesagt.

Was hat Ihr Enkel-Sohn gesagt?

Er wusste ja, dass mein Mann und ich geschieden sind. Er hat aber gesagt: Das macht ja nichts, wir sind ja trotzdem eine Familie. Ist das nicht ein schöner Satz? So voller Ur-Liebe. So offen, ursprünglich und herzlich. Kurz und gut, seitdem unternehmen wir alle wieder etwas zusammen. Jedenfalls wenn mein Enkel wieder bei mir ist.

Also doch wieder eine richtige Familie….

Eine richtig schöne Freundschafts-Familie. Natürlich habe auch ich damals Fehler gemacht. Ich habe damals viel verkraften müssen. Es gab Probleme mit dem TV-Shopping-Verkauf meiner Kosmetik-Linie. Dann litt meine Tochter Allegra damals unter schwerem Asthma. Dann starb Tony Curtis, der Vater meiner zwei Töchter.

Hat Sie der Tod von Tony Curtis so sehr aufgewühlt?

Natürlich war ich betroffen, aber dass es dann Schwierigkeiten mit Teil Erbe, den meinen Töchtern zusteht, solche Schwierigkeiten gab und gibt, hat einfach zu sehr negative Energie gekostet. Zumal ich ja finanziell meine Kinder und Enkel-Kinder unterstützt habe. Also kamen auch noch finanzielle Probleme dazu. Das war alles ein bisschen viel.

Und damals wollte ja auch noch Ihr Ex-Mann Klaus monatlichen Unterhalt…

Ich bin mir sicher, dass er falsche Berater hatte. So war und ist nicht mein Klaus. Er war noch nie geldgierig. Aber da er berufliche Schwierigkeiten hatte und natürlich auch durch die Trennung verletzt war, reagiert man dann eben oft unangemessen. Darüber denke ich aber nicht mehr nach. Das ist Schnee von Gestern.

Sicher gehen Sie jetzt vorsichtiger miteinander um?

Ja – und auch das ist schön. Mehr Vorsicht, mehr Respekt, mehr Signal-Wahrnehmungen für die Empfindlichkeit des anderen. Eigentlich eine wunderbare Basis für eine Beziehung oder Ehe. So geht man ja auch oft anfangs miteinander um. Warum es am Ende dann oft seelische Schläge gibt – ich weiß es nicht.

Bereuen Sie die Scheidung?

Auch wenn es jetzt hart klingt. Ich hätte gar nicht erst heiraten dürfen und sollen. Ich bin einfach nicht ehetauglich. Ich bin freundschaftstauglich – ja. Wenn mein Ex-Mann jetzt oder später meine Hilfe bräuchte: ich wäre sofort da. Umgekehrt wäre es genauso. Ich weiß, dass es zwischen mir und Klaus ein wunderbares Lebens-Band gibt.

Das hört sich ja doch irgendwie nach Happy End an….

Ist es auch, aber außerhalb der Bett-Kante. Mein Sinn und meine Sinne sind vielmehr auf ein harmonisches Familien-Leben fixiert, als körperliche Begegnungen. Ich weiß nicht, ob es anderen Großmüttern so geht, aber mein Herz wird im wahrsten Sinne des Wortes warm, wenn wir alle gemeinsam Fahrrad-Touren machen oder am großen Ess-Tisch sitzen.

Die Erotik des Lebens-Alters?

Das kann man fast so sagen. Ich möchte nicht ins Detail gehen und nicht beschreiben, was ich als Frau erotisch fühle. Aber der Höhepunkt ist für mich das Lächeln und die Wärme meiner Familie. Das spüre ich richtig körperlich. Ich fühle meine Fraulichkeit. Seele und Körper sind eins. Das ist kein esoterisches Gespinne. Es ist so.

Aber vielleicht möchte Ihr Ex-Mann mehr? Sie sehen immer noch phantastisch aus.

Ha, mein Ex-Mann kennt meine Signale. Er weiß sie auch richtig zu deuten und verhält sich dementsprechend. Das schätze ich auch an Klaus. Er ist eigentlich sehr feinfühlig und absolut kein Streit-Mensch. Wir arbeiten auch wieder zusammen. Wir konnten schon immer gut zusammen arbeiten. Auch das ist ein gutes Zeichen.

Letzte Frage: Wie schaffen Sie das alles? Familie, Arbeit, schön auszusehen…?

Ich stelle mich nicht hin und frage mich nicht, wie ich das schaffe. Ich stelle mich hin und probiere es zu schaffen. Ich nehme mich selbst nicht wichtig. Ich zerfleische mich nicht und mache mich nicht durch Probleme verrückt. Das verzerrt meine Seele. Das verzerrt mein Gesicht. Humor ist ein Seelen- und Schönheits-Mittel. Und es kostet nichts.

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Petra Cichos / Interview aktualisiert November 2013

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Siegfried Rauch: Eine ehrliche Haut. Interview

21. November 2013 Cichos Keine Kommentare

Siegfried Rauch: Ex-Traumschiff-Kapitän, TV-Bergdoktor...

Siegfried Rauch: Ex-Traumschiff-Kapitän, TV-Bergdoktor...

Siegfried Rauch Interview

· Ich weiß nicht, ob ich Morgen noch lebe…

· Ich würde für meine Familie töten

· Ich habe keine Angst vor dem Tod

· Wer über das Traumschiff lästert, ist arm dran

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Herr Rauch, es weihnachtet bald sehr…

Oh ja – und darauf freue ich mich auch schon sehr. Es ist eine der schönsten Jahreszeiten. Alles ist irgendwie anders. Auch wenn manche den Weihnachtsbaum und alles Drumherum als Kitsch abtun: ich liebe es. Besonders schön ist es natürlich, wenn dann dazu noch Schnee liegt oder man in den Bergen ist.

Sie haben ein Buch über die schönsten Weihnachts-Geschichten geschrieben…

Das stimmt. Persönlich erinnere ich mich aber auch immer gerne an die Weihnachtszeit in meiner Kindheit. Und so komisch es klingt, besonders in den Kriegsjahren. Als es kaum etwas gab. Als man sich über den kleinsten Lebkuchen gefreut hat. Allein schon der Geruch, der Duft. Und dann das langsame Zergehen auf der Zunge. Ein unwahrscheinlicher Genuss.

Den Sie nicht vergessen haben…

Ich liebe heute noch die einfachen Dinge. Ein Butterbrot. Frisch gebackenes Brot, frische Butter und etwas Salz. Auch das riecht unwahrscheinlich gut. Mehr braucht es dann eigentlich nicht. Oder gerade zur Weihnachtszeit Bratäpfel mit etwas Zimt. Allein wenn ich jetzt darüber rede, läuft mir das Wasser im Munde zusammen.

Dann feiern Sie sicher auch klassisch Weihnachten…

Ja, mit allem Drum und Dran. Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum, eine Krippe, im ganzen Haus Tannenzweige und Kerzen. Meine Söhne und meine Enkel-Tochter werden da sein. Wir gehen in die Kirche und dann gibt es Bescherung. Gesungen wird natürlich auch und ein langer Spaziergang durch den Wald gehört auch zur Tradition.

Was schenken Sie denn Ihrer Frau?

Das verrate ich natürlich noch nicht. Auf alle Fälle schenke ich immer etwas, bei dem man sich Mühe machen muss. Also nicht einfach in irgendein Geschäft gehen und etwas kaufen oder gar Gutscheine verschenken, sondern man muss sich da schon Gedanken machen. Allein schon um zu zeigen, dass man ganz Besonders an den anderen denkt.

Was haben Sie denn so in den letzten Jahren Ihrer Frau geschenkt?

Hm, ach ja, ich erinnere mich, dass meine Frau und ich mal vor einem Trachten-Geschäft standen. Da gab es einen schönen Trachtenrock aus Hirschleder. Sie hat geseufzt, dass der ziemlich teuer ist. Aber um ein Alibi zu finden ihn nicht zu kaufen, hat sie gesagt, dass ihr das und das am Rock doch nicht gefallen würde.

Also haben Sie den Rock dann gekauft unter dem Weihnachtsbaum gelegt….

Nichts da, nein, nein. Ich bin heimlich an den Kleiderschrank meiner Frau gegangen und habe von einem Rock ihre Maße abgenommen. Dann bin ich zu einem Schneider und wir haben einen wunderschönen Trachtenrock aus Hirschleder kreiert. Ihr Strahlen war für mich das schönste Weihnachtsgeschenk.

Ist die Weihnachtszeit für Sie auch eine besinnliche Zeit?

Ja, auch. Und ich bin immer wieder dankbar, dass ich so ein Leben habe. Allein schon der Beruf. Ich liebe meinen Beruf. Es ist ein Beruf, bei dem man nichts braucht. Ein Tischler braucht Holz und Werkzeug. Fast alle Berufe brauchen irgendetwas. Ein Schreiber braucht Papier oder den Füller oder den Computer. Ein Verkäufer Ware. Der Bäcker Mehl.

Sie brauchen nichts…

Ich brauche im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Ich gehe zum Dreh, stelle mich hin und spiele. Ich bringe nur mich selbst mit. Und dafür bekomme ich noch Geld. Ist das nicht unglaublich? Zumal ich auch noch gerne die Rollen spiele. Ich habe nicht eine Rolle oder überhaupt irgendetwas im Leben bereut. So viel Glück macht manchmal demütig.

Wie meinen Sie das?

Ich sehe durchaus, was auf der Welt passiert. Ich sehe ganz besonders die Kinder-Armut. Deshalb unterstütze ich ja auch die Stiftung Kinderzukunft. Ich sehe viele Schicksalsschläge. Ich sehe Krankheiten wie Krebs, Schlag-Anfälle, Herzinfarkte. Ich maße mir nicht an zu glauben, dass es mir immer so gut geht. Ich weiß nicht, ob ich Morgen noch lebe.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ich denke nur bedingt darüber nach. Wie viele Jahre kommen noch? Wie wird wohl das Ende sein? Vor dem Tod habe ich keine Angst. Mein Leben war intensiv und schön. Aber natürlich möchte ich kein Pflegefall werden. Nicht weil ich das selbst nicht verkraften würde, sondern weil ich niemand zur Last fallen möchte.

Sie selbst könnten es verkraften, wenn Sie ein Pflegefall wären?

Ja. Ich habe ja auch das Glück angenommen. Also bin ich verpflichtet, auch das Unglück anzunehmen. Es wäre dann unfair zu jammern oder sich über das Schicksal zu beklagen. Das Problem ist nur, dass ich dann meine Mitmenschen damit belaste. Meine Frau. Ihr möchte ich das nicht antun. Oder den Kindern. Nein, dann lieber gleich Augen für immer zu und weg.

Würden Sie, um diese Belastung zu umgehen, selbst Hand anlegen?

Ich wäre der Typ – ja. Ich hätte die Kraft und den Mut der Konsequenz. Aber ich bin katholisch. Ich glaube an Gott. Ich hätte und habe nicht das Recht mich umzubringen. Auch wenn ich ein Alibi hätte. Eben um meiner Familie nicht zur Last zu fallen. Das gilt nicht. Aber was reden wir da jetzt. Mir geht es gut. Ich bin gesund und putzmunter.

Und arbeiten ohne Ende. Theater-Rollen, TV-Bergdoktor, Buch-Lesungen

Aber es macht mir doch Spaß! Auch die Traumschiff-Kapitäns-Rolle habe ich gerne gemacht. Ich finde die Serie persönlich auch wirklich schön. Das Schiff, die Reisen, die Kulissen, die Handlungen. Es ist eine entspannende Unterhaltung. Kein Mord, kein Tod-Schlag, keine Aggression. Wer das Traumschiff verurteilt, ist arm dran.

Zum Beispiel Christoph Maria Herbst…

Ach der mit seinem Enthüllungs-Buch über das Traumschiff? Nun gut, wenn er meinte es schreiben zu müssen? Nur stimmen die Fakten nicht. Denn da äußert er sich über die Faulheit des Teams. Was für eine Überheblichkeit. Er war damals nur ein kleiner Rollen-Gast. Und dann noch nicht mal ein Guter. Das Team arbeitet sehr, sehr hart.

Laut Christoph Maria Herbst würden Sie nicht textsicher sein…

Es gibt den schönen Spruch: was schert es den Baum, wenn der Hund daran seine Notdurft verrichtet. Natürlich stimmt es nicht. Mich persönlich berührt sein Spruch nicht. Aber so unkollegial gegenüber dem Team zu sein. So abwertend, so arrogant und verhöhnend. Er verurteilt damit auch über acht Millionen Zuschauer pro Sendung.

Wenn jetzt Christoph Maria Herbst vor Ihnen stehen würde…

Dann würde ich ihn gar nicht sehen. Warum auch. Er ist nicht wichtig. Sein Buch ist ein Trittbrettfahrer-Buch und letztendlich hat er ja für unser Traumschiff Werbung gemacht. Man darf das alles nicht so wichtig nehmen. Mir wäre meine Wut viel zu schade für solche Menschen.

Wann können Sie denn richtig wütend werden?

Ich bin nie ein lauter Mensch gewesen. Brüllen und Schreien und Fäuste liegen mir fern. Aber wenn jemand meiner Familie etwas antun würde: ich würde ausrasten. Ich würde für meine Familie töten. Ich würde schon durchdrehen, wenn meiner Enkel-Tochter auch nur das kleinste Etwas angetan werden würde. Da wären mir Gesetze egal.

Was wünschen Sie sich für das Neue Jahr?

Bitte, bitte Gesundheit. Dann wünsche ich mir, dass diese verdammten Kriege aufhören. Übrigens haben die Soldaten im 2. Weltkrieg Heiligabend die Waffen zur Seite gelegt. Alle. Ob Russen, Amis, Deutsche. Heiligabend wurde nicht geschossen. Das wäre mein Wunsch für alle Weihnachten, für alle Tage, alle Jahre. Einfach Frieden.

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Petra Cichos / Interview aktualisiert November 2013

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Jürgen Marcus: Feinfühlig, tiefsinnig, realistisch. Interview

21. November 2013 Cichos Keine Kommentare

Jürgen Marcus Interview

· Ich habe keine Angst vor dem Tod

· Ich habe eine Patienten-Verfügung

· Auch ich bin auf einen Immobilien-Hai reingefallen

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Herr Marcus, wie geht es Ihnen. Sie hatten ja einen schweren Schulterbruch…

Es geht mir wieder gut. Wobei ich nicht sagen möchte, dass es mir sehr schlecht ging. Vor zwei Jahren bin sehr ungünstig gestürzt. Winter, Glatteis –  da hat es mich regelrecht hin geschmissen. Der Heilungs-Prozess hat zwei Jahre gedauert. Letztendlich darf ich dankbar sein, dass es nicht das Rückrat war. So ein Sturz kann zu einem Rollstuhl-Leben führen.

Hatten Sie Angst? Todes-Angst?

Denken konnte ich in dem Moment nichts. Es hat natürlich unglaublich geschmerzt. Da denkt man nicht philosophisch über den Tod nach. Andererseits habe ich in dem Sinne keine Angst vor dem Tod. Also vor dem Fakt des Sterbens. Natürlich möchte ich nicht, dass es qualvoll enden wird. Oder unwürdig. Oder dass ich eine Last für andere werde.

Sie meinen ein Pflegefall?

Ja, aber wer möchte das schon. Ich hatte das Glück immer unabhängig zu leben und selbst über mein Leben bestimmen zu dürfen. Dies heißt natürlich auch Verantwortung über sein Leben zu übernehmen. Da ich niemand die Verantwortung meines Lebens zumuten möchte, habe ich allein schon aus Vernunft eine Patientenverfügung veranlasst.

Sehr vernünftig…

Ja, eine Patientenverfügung ist sehr wichtig. Ich möchte nie jemand die Verantwortung übergeben, dass er über Leben und Tod entscheiden soll. Ich selbst könnte es ja auch nicht. Es ist doch eine Last und man kommt in Gewissenskonflikte, so etwas Schwerwiegendes zu entscheiden. Ärzte darf man diese Entscheidung auch nicht überlassen.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube nicht an ein neues irdisches Leben, sondern an ein anderes Leben nach dem Tod. Ich bin gläubig. Und ich denke mal, dass jeder Mensche eine Aufgabe hier im Leben hat. Meine war es vielleicht zu Singen, Menschen zu unterhalten, ein paar schöne Stunden zu geben, zu vermitteln.

Haben Sie Ihre Aufgabe erfüllt? Schmerzt es, wenn der Begriff Schlagerfuzzi fällt?

Ich denke, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe. Auch unter dem Aspekt so wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Also wenn jemand etwas Böses tut, bekommt er Böses zurück. Ich habe großen Respekt vor dem Leben, vor jeden Menschen. Die Leute, die von Schlagerfuzzis reden, haben leider keinen Respekt.

Wie meinen Sie das?

Es tut nicht weh, wenn man als Schlagerfuzzi bezeichnet wird. Dieser Begriff ist abwertig und wertet damit auch das Publikum, die Zuhörer, die Fans ab. Mit welchem Recht? Ich singe zum Beispiel meine Lieder gerne. Es hat mir immer viel Freude bereitet. Ich habe so viele Menschen kennen gelernt, so viel Erfolg gehabt. Was möchte ich mehr?

Möchten Sie mehr? Haben Sie irgendetwas bereut?

Es hört sich banal an, aber ich möchte nicht mehr und ich habe auch nichts bereut. Ich bin wirklich dankbar, dass ich so leben durfte und immer noch darf. Ich hatte das Glück in eine Zeit geboren zu werden, als es für uns Sänger noch anders war als heute. Wie konnten damals beruflich wachsen. Heute ist das Verfalls-Datum der Super-Star-Sieger unglaublich kurz.

Würden Sie heute wieder Sänger werden wollen?

Es ist heute sehr schwierig. Der Konkurrenzkampf ist durch die vielen Sender und Medien sehr viel größer. Damals gab es zwei Fernseh-Sender, die Hit-Parade oder Ilja Richters Disco. Da gab es noch nicht so eine Überflutung an Sängern, Musik, Sendern und all das. Ein neues Gesicht, eine neue Stimme ist plötzlich da und plötzlich wieder verschwunden.

Die gute, alte Zeit…

Natürlich war es damals auch anstrengend. Und natürlich gab es auch Konkurrenz. Aber irgendwie war alles familiärer, nicht so gnadenlos. Heute müssen sich Sänger gleich am Anfang beweisen. Wir hatten damals Zeit mit dem Publikum zu wachsen. Leider kam damals die Deutsche Welle, bei der ich nicht so mit schwimmen wollte und auch nicht konnte.

Es gab eine lange Pause…

Ja, ich dachte, dass ich ja selbst produzieren könnte und habe mir ein Studio gebaut. Aber ehrlich gesagt, war und bin ich nicht der Produzent. Ich war selbstkritisch genug das einzusehen und bin dann doch wieder selbst auf die Bühne. Ich bin nun mal Sänger und habe gelernt bei diesen Leisten zu bleiben.

Es gab über Sie nie Skandale…

Ein Glück. Das entspricht auch nicht so sehr meiner Mentalität. Ich liebe ein schönes Essen daheim und unter Freunden mehr, als den roten Teppich oder Party-Veranstaltungen. Ich glaube auch nicht, dass man dadurch erfolgreicher ist. Aber das muss jeder selbst wissen. Meine Wege waren eher die friedlichen und friedvollen.

Andere Schlager-Sänger haben viel Geld durch Spekulationen verloren…

Was das betrifft, so bin ich leider auch vor Jahren in so eine Immobilien-Falle geraten. Ich hatte in Berlin ein Mietshaus gekauft. Nicht groß. Es sollte meine Renten-Absicherung werden. Der Verkäufer hatte sich allerdings von den Mietern vorab Kredite geben lassen und den Mietern versprochen, dass sie keine Miete zahlen müssen.

An so einen Betrugs-Trick denkt man ja gar nicht….

Wie wahr. Jetzt bin ich auch schlauer. Die Mieter wollten zu Recht keine doppelte Miete bezahlen. Der Verkäufer ist Insolvenz gegangen, war auch nicht greifbar. Und das war es dann mit meiner Renten-Absicherung. Darüber bin ich noch heute traurig. Wie Menschen andere Menschen so betrügen können. Das ist hart.

Sie haben sehr viel verdient, aber nie auf den Putz gehauen…

Das stimmt. Natürlich ist die Gage schön, um sich das Leben schöner zu machen. Eine gemütliche Wohnung, gutes Essen, Bücher, kleine Reisen. Deshalb sage ich auch nicht, dass Geld nicht wichtig ist. Aber ich habe es nicht raus geschleudert oder eben hoch spekuliert. Und mein kleiner Versuch mit der Renten-Absicherung ist ja kläglich in die Hose gegangen.

Die Show-Branche ist teilweise hart. Sie haben eine feinfühlige Ausstrahlung…

Wenn Sie damit meinen, dass ich selbst nicht hart bin, kann ich dem nur zustimmen. Und es stimmt auch, dass Ellbogen-Kämpfe oder Brüllen und Schreien nichts für mich sind. Man kann auch mit leiseren Schritten durch die Show-Branche gehen. Jedenfalls damals. Heute ist ja alles etwas lauter geworden.

Gehen Sie mit leisen Schritten, weil Sie als Kind vier Jahre im Gips-Bett lagen?

Oh, guter Vergleich. Nein, ich glaube nicht. Ich hatte einen Geburtsfehler. Mein rechtes Bein war kürzer und nach innen gedreht. Zum Glück hat meine Mutter das frühzeitig erkannt. Also konnte noch etwas getan werden. Ich kam in ein Gips-Bett. Aber als Kind registriert man das nicht so. Ich wurde liebevoll umsorgt und später konnte ich ja laufen.

Trotzdem haben Sie nie große Sprünge in Ihrem Leben gemacht…

Hm. Ich habe den großen Sprung zum Sänger geschafft. Finde ich. Denn ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich sonst geworden wäre. Singen hat mir schon immer Spaß gemacht. Und wenn man dann noch Applaus bekommt und damit Geld verdient und sich in dieser Art von Leben gut aufgehoben fühlt, ist das doch wunderschön. Ich bin dem lieben Gott dankbar.

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Petra Cichos / Interview aktualisiert September 2013

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