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Gunter Gabriel Interview 1

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Gunter Gabriel Interview          27. Juli 2011

  • München ist geil
  • Ich wollte mich vor den Zug schmeißen
  • Mein Uhrzeiger bewegt sich immer schneller
  • Ich werde alleine sterben
  • Schüttet meine Asche in einen blauen Müllsack

Fotos:

  • Gunter Gabriel in München-Schwabing / auf Bank Elisabeth-Platz
  • Gunter Gabriel im Lokal „Da Angelo” mit Inhaber-Ehepaar Alex und Gaby Fischer
  • Gunter Gabriel in Kneipe „Ungewitter” mit Chefin Charlotte

Na nu - Gunter Gabriel in München und nicht auf seinem Hausboot in Hamburg?

Weil Gunter Gabriel auch München mag. München ist geil. Weil Gunter Gabriel ganz besonders Schwabing mag. Und ganz besonders dieses leckere, lockere Lokal „Da Angelo” in der Franz-Joseph-Straße und die kultige Kneipe „Ungewitter” in der Arcisstraße. Aber nicht nur deshalb bin ich hier. Es entsteht hier gerade ein Film-Drehbuch über mein Leben.

Sorry - ein Film zum Abschrecken oder zum Lernen?

Ist schon okay. Natürlich ist da alles drin. Schonungslos, ehrlich, offen, glaubwürdig. Mit allen Hoch und Tiefs, die ich hatte. Als ich ganz oben war. Was heißt eigentlich ganz oben? Als ich ganz unten war. Als ich so weit war, mich vor den Zug zu schmeißen. Als ich mich wieder aufgerappelt habe, den Schuldenberg in Angriff genommen habe.

Der ja schon abgebaut ist. Respekt…

Gunter Gabriel sagt danke zu denen, die mich gebucht haben. Auch die Münchener. Diese Wohnzimmer-Touren. Sie wissen schon, für 1000, - Euro kann man mich immer noch buchen. Denn die machen mir ehrlich gesagt auch Spaß. So nahe am Publikum, eben in den Wohnzimmern, das ist stark. Da bekommt man so viel mit. Das ist Menschen-Schule pur.

Die Bilanz Ihres Lebens?

Bereuen tue ich nichts. Nur manche Leerlauf-Zeit. Oder Flucht-Zeiten. Flucht vor Frauen, Flucht  vor den Schulden, vor dem Power-Mensch, der in mir drin ist. Umso mehr ackere ich heute, denn ich weiß dieser Zeiger an der Uhr bewegt sich immer schneller, bis er ganz stehen bleibt. Damals wollte ich ihn selbst anhalten, mich umbringen. Eigentlich verrückt.

Warum wollten Sie nicht mehr leben?

Ich hatte Millionen verdient und bin wie viele auf diese Immobilien-Steuerspar-Modelle reingefallen. Okay, man kann natürlich sagen falsche Beratung, aber letztendlich ist man immer selbst verantwortlich. Dann ist mal wieder eine meiner Ehen in die Brüche gegangen, mit den Platten lief es auch nicht mehr so richtig, ich saß buchstäblich im Keller.

Wer hat die Keller-Tür geöffnet?

Ich selbst. Das ist es ja. Man muss alles selbst in die Hand nehmen. Manchmal ist es nur ein Tür-Griff. Leider begreift man das oft erst, wenn man alt ist, wenn man bald abtreten muss. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich bin auch nicht der Typ, der dahin siechen wird. Ich werde keinen Krebs bekommen. Wenn, dann wird mein Herz schlapp machen.

Sie wissen schon wie Sie diese Welt für immer verlassen werden?

Ich weiß, dass ich alleine sterben werde. Weil ich es will. Frauen-Tränen könnte ich da gar nicht gebrauchen. Oder dass alle um mein Bett herum stehen und Händchen halten und schluchzen. Auch wenn es lieb gemeint ist. Ich möchte nur ein weiß bezogenes Bett. Und dann werde ich sagen: Fürchtet Euch nicht…

Aber das hört ja dann niemand…

Deshalb sage ich es auch jetzt. Fürchtet Euch nicht, denn das Leben kann verdammt gut sein. Achtet mehr darauf, wie ich. Tut etwas, ändert was, wenn es quer läuft. Erkennt nicht erst so spät wie ich, dass das Leben Spaß macht, es großartig sein kann. Ja, ja, das sagt jetzt ein alter, weiser Mann, der zum Glück immer noch Dummheiten macht.

Schöne Dummheiten?

I wo. Das mit dem Führer-Schein-Entzug hätte ich mir sparen können. Ich trinke wirklich selten nur mal einen Schluck. Das ist ja nicht so schlimm. Aber ich Dumm-Junge hab mich ans Lenkrad gesetzt, um meinen Sohn zur S-Bahn zu bringen. Und peng - sofort erwischt. Okay, ist passiert, wieder mal selbst Schuld. Halleluja…

Sie hatten gerade Geburtstag. Wie viele kommen noch?

Halleluja - was für eine Frage. Ich möchte einen Termin-Kalender für die nächsten hundert Jahre. Ernsthaft, mein Termin-Kalender ist so voll, dass ich bestimmt meine eigene Beerdigung verpasse. Verbrennt mich, wenn ich tot bin, und schüttet meine Asche in einen blauen Müllsack. Denn was von mir übrig bleibt, ist nicht Hab und Gut.

Sondern? Werden Sie als guter Mensch von dieser Welt gehen?

Guter Mensch, schlechter Mensch. Ich bin ein Mensch, der vielleicht eine andere Bahn als andere genommen hat. Ich bin einen Weg gegangen, der nicht immer geradlinig war. Aber ich denke, dass ich geradlinig bin. Weil ich eben jeden verdammten queren Weg gehen musste. Keine Ahnung warum. Fragen Sie mich nochmals in zwanzig Jahren.

Petra Cichos

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